Deutschlands vermeintliches Wachstum Die Aktienmarktblase

14. Februar 2015 // Zero


Meine geliebte Sendung ZDF heute hat gestern die brummende deutsche Wirtschaft thematisiert. In ihrem äußerst interessanten Bericht „Dax erreicht neuen Höchsstand“ wurde die falsche Prognose der Wirtschaftsweisen kritisiert. Das ZDF vertrat die Meinung, dass das mickrige deutsche Wachstum von 0,7% ja so viel besser sei, als der von den Wirtschaftsweisen prognostizierte Wert von 0,5%. Den Unterschied muss man mit der Lupe suchen.

Konsum

Die erste Behauptung war, dass ein erhöhter Konsum die Wirtschaft angekurbelt habe. Ich gebe hier zu bedenken, dass durch den Mindestlohn die Preise angezogen wurden. So haben einige Friseurketten bereits im Juni letzten Jahres die Preise massiv erhöht. Ähnlichtes galt zum Beispiel auch für Taxifahrten. Außerdem geben die Deutschen mehr als ein Drittel für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung aus. Die Energiepreise konnten sich zwar wegen den niedrigeren Ölpreisen etwas erholen, der Anteil der Mieten am Einkommen ist allerdings sehr viel höher. Mietpreiserhöhungen, die etwa ausgelöst wurden durch die Mietpreisbremse, sind daher viel stärker im Portemonnaie spürbar. Abgesehen davon können die Behörden das Wachstum nach Lust und Laune nach oben oder unten rechnen.
Auch wurde fälschlicherweise behauptet, die niedrigen Leitzinsen hätten den Konsum angekurbelt. Die Menschen bekommen also keine Zinsen für ihre Ersparnisse und verprassen es deshalb im Konsumgeschäft? Warum soll das etwas miteinander zu tun haben? Sparer legen das Geld doch wegen erhöhter Renditeerwartungen wohl eher im Aktien- und Rohstoffmarkt an.

Gesunkene Ölpreise

Die Ölpreise sind seit 2009 stark gestiegen. Warum? Weil die amerikanische Zentralbank durch quantitaive Lockerung billiges Geld in den Markt gepumpt hat. Es entstand eine Ölpreisblase, die jüngst wieder geplatzt ist und den Ölpreis wieder auf sein ursprüngliches Niveau brachte. Dem Aktienmarkt droht dasselbe Spiel. Im Beitrag wurde jedoch das Fracking in Amerika dafür verantwortlich gemacht, das angeblich dafür gesorgt habe, dass sich nun mehr Öl im Markt befindet. Tatsächlich waren durch die seit 2006 kontinuierlich steigende Erdölförderung in den USA die Öl-Importe rückläufig. Allerdings setzte dieser rückläufige Prozess bereits 2010 ein. Ungebremst hoch ist der Hunger nach dem Öl. Zudem bestand in den USA bis zum 30. Dezember 2014 ein absolutes Exportverbot für Öl. Die Beeinflussung des amerikanischen Öls auf den Weltmarkt war und ist kaum spürbar.

Schwacher Euro

Im Beitrag wurde zuletzt noch der niedrige Eurokurs gefeiert. Er würde die Exporte massiv in die Höhe treiben. Das war so blöd gewesen, dass ich schon fast meinen Kopf gegen die Wand hätte hauen müssen. Wenn eine abgewertete Währung gut für ein Land ist, warum tauschen wir den Euro nicht einfach gegen den Somalischen Schilling aus? Es handelt sich hier offensichtlich um einen Milchmädchenrechnung. Wenn die Währung abschwächt, werden Importe teurer. Dieser Zustand tut rohstoffarmen Ländern wie Deutschland doppelt weh.

Abschließend wurde noch der Wirtschaftsweise Prof. Volker Wieland zu dieser so „großen“ Diskrepanz zwischen Prognose und tatsächlichem Wert angesprochen. Paroli hat er der lückenhaften Argumentation aber nicht geboten: „Prognosen werden immer von der Realität überholt.“ Es bleibt mir insgesamt ein Rätsel, wie man so viel Wahn- und Unsinn in einen nicht mal 2-minütigen Beitrag pressen kann.


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