Grexit-Fahrplan Griechenlands nächsten Schritte

3. Juli 2015 // Zero

Wie überrascht die Politik wieder tut. So als hätte sie mit den griechischen Absagen gen Eurozone überhaupt nicht gerechnet. Es gab in Griechenland, das vergessen viele, einen radikalen politischen Umsturz durch eine linke Partei, deren Ausrichtung seit Monaten glasklar ist. Die Eurofanatiker sind nur deshalb so überrascht, weil in Griechenland nach den Wahlen wirklich das gilt, was vor den Wahlen gesagt wurde.

Referendum: Knappe Geschichte

Warum gibt es eigentlich dieses Referendum am Sonntag? Tsipras hat doch einen ganz klaren Wählerauftrag: Sämtliche Verhandlungen mit den Institutionen abbrechen. Zumindest so lange sie keinem massiven Schuldenschnitt zustimmen. Das hat Syriza nun oft genug wiederholt.



Tsipras rät seinem Volk beim Referendum mit „Nein“ zu stimmen. Die Griechen spaltet der Eurokurs. Der Volksentscheid wird daher eine knappe Geschichte werden.
Tsipras‘ Kalkül ist der Machterhalt. Das schafft er nicht mit einem ruppigen Machtstil. Der Volksentscheid kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Referendum wird die Verärgerung der Bevölkerung, die durch die Bankenschließungen nochmals befeuert wurde, Richtung Institutionen lenken und damit Tsipras‘ Macht sichern. Die Griechen werden der Europolitik der Institutionen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zustimmen. Zu negativ sind die bisherigen Folgen gewesen. Das Land hat eine rekordverdächtige Arbeitslosenquote von 25 Prozent! Die Bevölkerung muss sich bei dieser wirtschaftlichen Katastrophe denken: Wie gut kann die EU, die EZB und der IWF noch für uns sein? Ein „Ja“ ist vor dem Hintergrund mehr als unwahrscheinlich.

Kein Weltuntergang

Entgegen der weitverbreiteten Horrorszenarien von irgendwelchen suspekten Welteruntergangstheoretikern, die sich Eurofanatiker nennen, wird bei einem Schuldenschnitt und Grexit nicht viel passieren. Der Finanzmarkt rechnet bereits mit einer griechischen Insolvenz, die faktisch mit dem Zahlungsverzug schon eingetreten ist. Der Eurokurs wird kurzzeitig Wertverluste hinnehmen müssen. Die Verluste ergeben sich aus dem Zahlungsausfall, für den andere Euroländer, vor allem Deutschland, aufkommen müssen. Langfristig gesehen wird ein griechischer Austritt, der bei einem Schuldenschnitt vermutlich auch gleich folgt, dem Euro sehr gut tun.

Nach dem Schuldenschnitt wird Griechenland noch für viele weitere Jahre von den Finanzmärkten abgeschottet sein. Politisch und wirtschaftlich spielt das Land, abgesehen von der Eurokrise, schon jetzt keine Rolle mehr. An diesem Desaster ist aber nicht nur die korrupte griechische Politkaste verantwortlich. Auch die Eurofanatiker haben wirklich ganze Arbeit geleistet, um das Land wirtschaftlich zu zerstören. Ich habe ja die Hoffnung, dass sich diese griechische Finanzkrise in das Kollektivgedächtnis des Volkes einprägen wird. Auf der anderen Seite gab es in Griechenlands jüngerer Geschichte bereits mehrere Insolvenzen. Nichts gelernt also, die Party geht sowieso weiter.




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