NSU: Akte ungelöst 3sat Dokumentation "Kampf um die Wahrheit"




3Sat: „Zwei Jahre sind seit dem Beginn des NSU-Prozesses vergangen. Auf entscheidende Fragen, wie tief die Verstrickung des Staates und seiner Organe ging oder ob tatsächlich nur drei Menschen den sogenannten NSU gebildet haben, kann das Gericht bis dato keine Antworten geben. Doch es gibt viele Menschen, die sich nicht entmutigen lassen: Menschen, denen die Morde des „NSU“ keine Ruhe lassen.“

Filmzusammenfassung

      01:10 – Florian H., Nazi-Aussteiger, weiß, wer die Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn ermordete. Er stirbt im September 2013 im Alter von 21 Jahren. An seinem Todestag sollte er eigentlich als Zeuge aussagen. Laut Polizei handelt es sich bei seinem Tod um Selbstmord. Florians Auto ist ausgebrannt.
      01:53 – Rückblick über Florians Weg in die rechte Szene. Mutter und Schwester sind immer noch schockiert über seine rechtsradikale Vergangenheit. Sie sprechen von „Aufträgen“, die der ehemalige Nazi durchführte, sowie von den in Florians Wohnung gelagerten illegalen Waffen anderer Kameraden. Die Polizei wird aufmerksam auf ihn. Die Waffen werden beschlagnahmt. Florian verliert seine Ausbildung und wendet sich vom Rechtsradikalismus ab.
      04:24 – Florians Lehrerin vermittelt ihn 2011 an die Beratungs- und Interventionsgruppe gegen Rechtsextremismus (BIG Rex). Die Interventionsgruppe sei aber nicht an seinem Ausstieg interessiert. Sie wollen Informationen über die rechte Szene und fordern eine Zusammenarbeit. Florian ist zu dem Zeitpunkt nicht mehr Teil der Szene. Die Beamten erpressen ihn dennoch. Seine Handynummer gebe Big Rex sogar an Rechtsradikale weiter.
      05:18 – Die ehemaligen Kameraden von Florian sind der Meinung, er schulde ihnen wegen der beschlagnahmten Waffen noch 15.000 Euro. Um diese Schulden abzubezahlen, tätigt Florian noch Botengänge für die Rechtsradikalen.
      06:04 – Ende Mai 2011 berichtet Florian über Beate Zschäpe und den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). Zu dem Zeitpunkt ist weder Zschäpe noch der NSU der Öffentlichkeit bekannt.
      06:50 – Der Arbeitskreis NSU zeigt Widersprüche der offiziellen Version auf. In ihrem Forum und Blog veröffentlichen sie in anonymer Form amtliche Dokumente. Deutsche Staatsanwaltschaften ermitteln deshalb gegen den Arbeitskreis NSU.
      10:35 – In Eisenach brennt im November 2011 ein Wohnmobil. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt werden darin tot aufgefunden. Durch den Brand des Wohnmobils werden, so die offizielle Version, die Beamten aufmerksam. Obwohl sie angeblich gerade erst eingetroffen ist, weiß die Polizei bereits, dass Böhnhardt und Mundlos tot sind. Die Feuerwehr wird (der Spurensicherung wegen) von der Polizei am Löschen des Fahrzeugs gehindert. Spuren werden aber nicht gesichert und teilweise sogar vernichtet. Das Wohnmobil wird daraufhin inklusive Leichen durch einen Abschleppdienst abtransportiert. Durch die Bewegung werden bei der Fahrt deshalb nochmals weitere Spuren zerstört. Der Wohnwagen lagert ungesichert beim Abschleppdienst und ist sich selbst überlassen. Die Polizei scheint an einer Aufklärung nicht interessiert zu sein.
      14:41 – Der Polizistenmord von Heilbronn wird rekonstruiert. Die Tat wird Mundlos und Böhnhardt angelastet. Laut offizieller Version handelt es sich bei den Tätern um Rechtshänder. Uwe Böhnhardt ist jedoch Linkshänder. Auf Grundlage der Aussagen des Heilbronner Polizisten, der den Schuss überlebt hat, wurde ein Phantombild angefertigt, welches weder Ähnlichkeiten mit Mundlos noch Böhnhardt aufweist. Eine andere Zeugin hat einen flüchtenden und blutüberströmten Täter zur Kenntnis genommen. Auch ihr Phantombild weist keine Ähnlichkeiten zu Mundlos oder Bönhardt auf. Die Staatsanwaltschaft hält die Zeugen jedoch für unglaubwürdig. Die Phantombilder werden daher nicht veröffentlicht.
      18:28 – Florian H. weiß, wer Michèle Kiesewetter ermordet hat. Das sagt er auch zu Klassenkameraden. Anschließend erhält er Morddrohungen. Die Bremsen seines Autos werden manipuliert, die Radmuttern aufgedreht. Er wird Opfer von Überfällen und einer Messerattacke.
      19:30 – Florian wohnt während seiner Ausbildungszeit auch zeitweise in einem Schülerheim. Am 15.09.2013 ist er mit dem Auto auf dem Weg zum Heim. Um 23:49 Uhr ist er noch am Leben. Um diese Zeit herum schickt Florian seinem Vater noch das Bild eines grünen (womöglich getunten) Sportwagens. Handelt es sich dabei um das Auto seines Verfolgers?
      Bild des grünen Sportwagens, das Florian seinem Vater kurz vor seinem Tod zuschickte (3Sat, 2015, Kampf um die Wahrheit - Der NSU und zu viele Fragen)
      19:56 – Zwischen dem 15.09.2013 und dem 16.09.2013 stirbt Florian. Man fand seinen Körper in seinem ausgebrannten Auto. Laut offizieller Version handele es sich um Selbstmord. Die Polizei klärt den Fall innerhalb von fünf Stunden auf. Sämtliche Details zum Tathergang hat die Polizei innerhalb kürzester Zeit ausfindig machen können. Sie weiß angeblich sogar, wo sich Florian das Benzin für den Brand besorgt haben soll. Sie kennt auch den Beweggrund seines angeblichen Selbstmords: Schlechte schulische Leistung. Seine schulischen Leistungen waren aber gut gewesen. Die Familie glaubt der Polizei deshalb nicht. Die Polizei revidiert ihre Aussage über den Beweggrund für den Selbstmord. Jetzt lautet die polizeiliche Theorie: Selbstmord wegen Liebeskummer.
      21:28 – Am 17.09.2013, also einen Tag nach seinem Tod, will die Polizei Florians Auto verschrotten. Florians Geschwister verhindern die Verschrottung. Sie holen das Auto von der Stuttgarter Polizei ab. Die Polizisten vor Ort sind unverfroren. Beim Abtransport des Autos zeigen sich die Beamten amüsiert. Hilfe bieten sie den noch trauernden Geschwistern nicht an. Das Auto befindet sich nach dem Transport in einer Garage eines Freundes.
      Auf demselben Polizeirevier holt der Vater wenige Tage später die Klamotten seines verstorbenen Sohns ab. Ein Polizist überreicht dem Vater die verkohlten, stark nach Brand riechenden und in einer Tüte verstauten Schuhe und sagt dabei: „Ach, die Schuhe können Sie ja putzen und dann können Sie sie noch tragen.“
      23:03 – Noch bevor die Spurensicherung eintrifft, befindet sich im Wohnmobil mit den zwei Leichen zusammen ein Beamter. Spuren werden jetzt nachweislich manipuliert. Planen umhüllen den Wohnwagen. Er wird für den Abschleppdienst vorbereitet und schließlich abgeschleppt. Noch zuvor ist zu sehen, wie Polizeidirektor Michael Menzel den Wohnwagen ohne Handschuhe und andere übliche Schutzbekleidung betritt. Auch seine Mitarbeiter tragen keine Schutzkleidung, als sie den Wohnwagen betreten.
      26:23 – Nach dem angeblichen Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt explodiert die Wohnung des NSU-Trios. Beate Zschäpe soll für den Brand verantwortlich sein. Laut offiziellem Bericht geht die erste Explosion vom Sportraum aus. Ein Foto des Nachbarns belegt jedoch das Gegenteil. Die Feuerwehr hilft bei der Spurenvernichtung mit: Zum Abend reißt ein Bagger, auf Veranlassung der Feuerwehr, große Teile des Hauses ab. Es steht danach größtenteils unbewacht herum. Es gibt damit die Möglichkeit, falsche Beweismittel einzuschleusen.
      30:25 – Nachdem Zschäpe sich den Behörden stellt, sucht der Bereitschaftsdienst am Haus nach Beweismitteln. Es werden zahlreiche Waffen gefunden. Die Waffe, durch die die Polizistin Michèle Kiesewetter starb, ist angeblich ebenfalls darunter. Es ist nicht bekannt, welcher Polizist die Waffe findet. Üblicherweise ist der Name desjenigen Polizisten zu dokumentieren. Ein Foto des Waffenfundes fehlt ebenso. Das Haus wird im Anschluss vollständig abgerissen.
      31:40 – Der Schwester von Florian H. fallen Ungereimtheiten bei den Ermittlungen auf. Sie untersucht daraufhin nochmals das ausgebrannte Auto ihres Bruders und findet eine Machete, eine Schusswaffe, Laptop, Handys und Tabletten. Diese Beweismittel übergibt sie nun dem NSU-Untersuchungsausschuss. Die Spurensicherung untersucht das Auto. Die Behörden geben nun auch preis, dass ein Ermittler, der am Tag von Florians Tod das abgebrannte Auto absicherte, Kontakt zur Neonazi-Szene hatte. Zufällig an diesem Tag hatte dieser Ermittler ein Praktikum beim Branddezernat. Dieser Ermittler kannte zufällig auch den Zugführer von Michèle Kiesewetter, welcher ebenfalls Neonazi war.
      34:22 – Florians Freundin Melissa M. sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem NSU-Untersuchungsausschuss aus. Sie fühlt sich bedroht. Ihrer Meinung zufolge beging Florian mit Sicherheit keinen Selbstmord. Damit verwirft sie die Liebeskummer-Theorie der Polizei. Einige Zeit später ist Melissa in einen Verkehrsunfall verwickelt. Sie stirbt im Anschluss darauf.
      36:28 – Ulrich Goll (FDP) zieht einen Vergleich mit der Roten Armee Fraktion (RAF). Bis heute ist keiner ihrer Morde restlos aufgeklärt.
      37:00 – Katharina König (Die Linke) und Dorothea Marx (SPD), Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschusses, fühlen sich betrogen. Zeugen würden Lügen und Beweismittel werden gefälscht oder vorenthalten. Die Feuerwehr wurde zum Einsatzzeitpunkt seltsamerweise an ihre Verschwiegenheit erinnert. Sie darf erstmals im NSU-Untersuchungsausschuss aussagen. Die Feuerwehr bestätigt, dass Spuren im Wohnmobil verfälscht wurden. So befanden sich anfangs noch keine Waffen im Wohnmobil. Diese müssen von der Staatsgewalt hinzugefügt worden sein. Die offizielle Version kann nicht stimmen.

    Freiheit oder Tod. Es gibt keinen Kompromiss.
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