Unbezahlter UN-Praktikant lebte im Zelt David Hyde plante seinen medialen Auftritt von langer Hand

16. August 2015 // Zero



David Hyde, ein 22-jähriger junger Neuseeländer, hat ein unbezahltes Praktikum bei der UN in Genf angefangen. Das Praktikum hat er Anfang dieser Woche gekündigt. Seine Kündigung hat er öffentlichkeitswirksam inszeniert. Wie Hyde bereits in einem Interview zugegeben hat, war dieser mediale Stunt von langer Hand geplant gewesen. Er sah eine hohe Diskrepanz zwischen dem, was die UN predigt und dem, was sie letztlich tut. Die Nichtbezahlung von Arbeitern ist, so Hyde, eine Verletzung der Menschenrechte, zu deren Einhaltung sich die UN eigentlich verpflichtet hat. Er wollte die Heuchelei offen legen und hat es erfolgreich geschafft.

„Kein Lohn, kein Stipendium, kein Sozialticket, keine Verpflegungszulage, keine Gesundheitsversicherung“ – mit diesen Worten beschrieb Hyde in der Pressekonferenz sein Arbeitsverhältnis mit der UN. Diese Bedingungen waren ihm bereits vor seinem Praktikum bekannt gewesen. Hydes Bankkonto war leer, seine Ambitionen waren dafür umso höher. Das Praktikum hat er trotzdem angefangen. Dummheit? Ein bisschen. Hyde hatte aber ein ziemlich intelligentes Kalkül. Er wollte diese Heuchelei der UN aufdecken. Zumindest gehöre das Hochhalten der Menschenrechte einerseits und das kostenlose Arbeiten der Praktikanten andererseits, Hydes Meinungs zufolge, definitiv dazu. Das Zelt bot sich als Drama hierfür sehr gut an, um die Öffentlichkeit von diesem „noblen“ Anlass in Kenntnis zu setzen. Sein Plan ging auf. Die internationale Presse war alarmiert. Immerhin musste ein UN-Mitarbeiter im Zelt schlafen. „Musste“.
Mittlerweile weiß die Presse aber auch, dass Hydes Auftritt geplant war. Seinem Gerechtigkeitskampf hat es wohl einen kleinen Dämpfer verpasst. So schnell wird sich aber auch sonst nichts ändern. Warum? Weil jemandem – meistens den Dienstältesten – der Lohn gekürzt werden müsste, um den / die Praktikanten zu bezahlen. Einen geringeren Lohn will schließlich kein Mitarbeiter der Welt. Nicht einmal einer, der bei der UN angeblich für mehr Lohngerechtigkeit kämpft.


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