Mit aller Macht gegen Drogen Kampf um den Görlitzer Park

13. April 2015 // Zero

Beruf: Drogendealer. In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten ist dieser Beruf zu einer echten Alternative herangewachsen. Im Görlitzer Park scheint diese Berufsgruppe nun aber vor dem Aus zu stehen. Die Behörden haben den Dealern nämlich den Kampf angesagt. Wer Drogen sein eigen nennen darf und es wagt damit am Görlitzer Park aufzutauchen, kann von nun an mit Null-Toleranz der Staatsgewalt rechnen. Das Politbüro hat natürlich schon vor Jahren bestimmt welche Drogen Menschen zu sich nehmen dürfen und welche nicht. An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Vaterstaat. Im Rahmen des Genderwahns spreche ich mich an der Stelle für eine Feminisierung des Begriffs aus. Immerhin werden die Geschicke / Diskussionen dieses Landes seit Jahren von Mutti gelenkt / moderiert und diese dummen Gesetze nur den Männern anzulasten, ist wirklich unfair. Also nochmal: Danke, Mutterstaat!

Rat Park

Ratten lieben Heroin. Das haben Wissenschaftler in „aufwendigen“ Experimenten herausgefunden. Dazu haben sie die Laborratten in kleine Käfige gesteckt und ihnen neben dem normalen Wasser auch Drogenwasser angeboten. Die Ratten haben sich bei diesen Experimenten sprichwörtlich zu Tode getrunken. „Moment mal“, musste sich der Wissenschaftler Bruce K. Alexander gedacht haben, „die Ratten haben doch keinerlei andere Beschäftigung und nutzen das einzige ihnen zur Verfügung stehende Vergnügungsmittel.“ Alexanders These: Ändert man die Optionen, ändert sich das Ergebnis. Der Vergüngungspark für Ratten (Rat Park) war mit dieser These geboren. Alexander war nämlich der Meinung, dass der viel zu kleine Laborkäfig die Drogenabhängigkeit der sonst sehr arbeitsamen und sozialen Ratte erst produziert. Das konnte er mit dem Vergnügungspark für Ratten auch beweisen. In diesem bot er den Ratten neben Spielzeugen, großem Freiraum, Sexualpartnern und genügend Essen und Wasser auch Drogenwasser an. Dieses mal sank der Drogenkonsum der Ratten erheblich. Die Ergebnisse des Experiments wurden im Jahr 1978 veröffentlicht. Ziemlich viel Zeit ist seitdem vergangen, die Behörden in Deutschland hat dieses Wissen allerdings noch gar nicht erreicht. Sie reagieren nämlich noch mit derselben mittelalterlichen Antwort: Verbot. Dabei hat das Verbot das Problem im und um den Görlitzer Park erst entstehen lassen.

Legal in Portugal

Die portugiesischen Behörden haben erkannt, dass sie Teil des Problems waren. Ihre Antwort? Legalisierung sämtlicher Drogen. José Sócrates, Sozialdemokrat und ehemaliger Premierminister Portugals, hat als Architekt dieser neuartigen Drogenpolitik folgendes zum Besten gegeben:

„Wegen der vorherrschenden Vorurteile war der Wandel sehr hart. Man muss Abstand von diesen Vorurteilen nehmen und das Problem intelligent angehen.“

Wow. So viel Intelligenz von einem Sozialdemokraten ist selten. Da muss ich lange suchen, um Sätze ähnlichen Kalibers aus unserem sozialdemokratischen Sumpf herauszufischen.
Ob Heroin, Cannabis, Crack, Kokain oder Meth, in Portugal wurde alles legalisiert. Das Drogenparadies auf Erden war geboren. Die Sozialdemokratie hieße aber nicht Sozialdemokratie, wenn sie nicht gleichzeitig auch neue Regierungsbehörden gründet, um die Sucht der Patienten zu behandeln. Vollständigkeitshalber sei auch erwähnt, dass nur das Eigentum kleiner Drogenmengen erlaubt ist. Wie „haben“ ohne „kaufen“ funktionieren soll, fragen Sie? Das ist die Frage aller Fragen. Das portugiesische Experiment läuft jedenfalls seit 2001. Ergebnis: Laut einiger Statistiken ist der Drogenkonsum massiv zurückgegangen. Das musste selbst der sonst so konservative Sender Fox News eingestehen, der unter anderem für folgendes journalistisches Meisterwerk bekannt geworden ist:



Der Rückgang des Drogenskonsums wurde auch vom Cato Institute bestätigt. In der politischen Ebene Deutschlands scheint der Informationsfluss etwas zähflüssiger zu sein. Nur so kann erklärt werden, dass die seit Jahren bekannten Erfahrungen und wissenschaftlich bestätigten Ergebnisse einfach noch nicht angekommen sind. Gepaart mit Ignoranz und Inkompetenz kommen dann auch die Resultate zustande, die wir am Görlitzer Park beobachten dürfen. Eine Ansammlung von kriminalisierten Händlern, die nur deshalb in szenebekannten Gegenden verkaufen, weil sie woanders keine Abnehmer finden können. Wenn man einen Lotterieschein kaufen will, geht man zum Kiosk. Wenn man trinken will, geht man zum Getränkeladen und wenn man Cannabis haben will, geht man eben zum Görlitzer Park. Gäbe es keine Kriminalisierung von Drogen, gäbe es keine einzelnen Absatzzentren. Der Drogenhandel wäre auch nicht nur unter den kriminellen Bösewichten aufgeteilt. Es gäbe mehrere Anbieter. Online-Shops würden vielleicht sogar Abos anbieten, um den Stoff wöchentlich ihren Kunden auszuliefern. Die Kriminellen könnten keinen Fuß mehr im Görlitzer Park fassen. Konsumenten kaufen schließlich lieber in den steril wirkenden Einkaufsläden und Online-Shops ein. Aber selbst wenn all das nicht stimmt und der Drogenkonsum nach einer Legalisierung gleich bleibt / steigt, so stellt sich doch die Frage, warum Steuerzahler überhaupt Ressourcen aufwenden müssen, um Junkies vor sich selbst zu schützen. Warum müssen Sicherheitskräfte ihr Leben wegen solcher Banalitäten in Gefahr bringen? Viel wichtiger: Warum wird die im Vergleich zu Marihuana sehr viel gefährlichere Droge Alkohol frei zum Verkauf angeboten? Das soll Marihuana keineswegs bagatellisieren. Vielmehr deckt diese Betrachtungsweise die heuchlerische Drogenpolitik auf.

Drogen als Kriegswährung

Die Stigmatisierung drogenabhängiger Menschen ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die durch das Verbot entstehende Monopolisierung von Drogendealern. Dieses Verbot bildet einen exzellenten Nährboden für Drogenkartelle. Die Konkurrenz wird gesetzlich abgeschafft und der Markt kann unter den wenigen noch vorhandenen Kriminellen aufgeteilt werden. Diesen Markt hat sich der CIA beim Kampf gegen den Kommunismus in Nicaragua zu nutze gemacht. Der Geheimdienst hat beim inländischen Verkauf von Kokain nicht nur beide Augen zugehalten, sondern auch mitverdient. Das Geld finanzierte den Krieg in Nicaragua. Mit seinem Beitrag „Dark Alliance“ deckte Gary Webb diese kriminelle Machenschaften auf. Bestätigt wurde dieses un­säg­liche Bündnis zwischen Staat und Drogenkartell vom US-amerikanischen Präsidenten Reagan. Im Jahr 2004 hat sich Webb laut Polizei selbst umgebracht. Todesursache: Zwei Kopfschüsse.




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