Folterbericht der CIA Das Geschäft mit dem Terror

12. Dezember 2014 // Zero

„Rektale Rehydrierung“, „rektale Ernährung“ und die Drohung eine „Mutter sexuell zu missbrauchen“. Das was sich hier wie die Einleitung eines Erotikthrillers liest, sind in Wahrheit die „weiterentwickelten Verhörtechniken“ der CIA. Der Folterbericht ist aufschlussreich, bringt aber genau das zu Tage, was viele bereits geahnt haben. Und wenn wir ehrlich sind, wissen wir auch wie das ganze Spektal enden wird: Die US-Administration hat jetzt zugegeben, wie blöd das ganze gelaufen ist. Schon bald wird irgendjemand vor die Kameras treten und sich bei der Welt dafür entschuldigen, weil es so blöd gelaufen ist. Es wird dabei jedoch immer wieder erwähnt werden, wie diese „einmaligen“ Zustände diese Verfahrenweise quasi erzwungen hätte. Niemand kommt ins Gefängnis und Bush und Co. dürfen weiterhin über Los gehen. Nachdem wir das abgearbeitet haben, stelle ich mir hier nur eine Frage: Warum ist Deutschland so ein fettes Geschäft mit dem Terror entgangen? Selbst Polen war selbstbewusst genug und hat sich die geheimen CIA-Gefängnisse bezahlen lassen.

Die dubiose Vergangenheit der CIA

Ich möchte an der Stelle nicht wirklich die dubiose Vergangenheit der CIA aufrollen. Denn dann müsste ich darüber schreiben, wie ein Harvard Professor namens Henry K. Beecher Erkenntnisse der Nazi-Experimente des Konzentrationslagers Dachau für seine wissenschaftlichen Studien verwendet hat. Ich müsste darüber schreiben, wie Beecher am Folterhandbuch KUBARK beteiligt war.



Wenn ich über die Geschichte der CIA schreiben würde, müsste ich ebenfalls MKUltra erwähnen. Ein CIA-Programm das zwischen 1953 und 1964 angelegt wurde, um Experimente an Menschen durchzuführen. Es waren zahlreiche Universitäten, Forschungseinrichtungen, Chemie- und Pharmaunternehmen sowie Krankenhäuser und einige Strafvollzugsanstalten involviert gewesen. Ziel war es, das Verhalten von Menschen zu modifizieren. Natürlich haben die meisten Versuchspersonen dem Verfahren nie zugestimmt. Zu den Versuchsanordnungen gehörte unter anderem die Verabreichung von LSD, Elektroschocktherapien und sexueller Missbrauch. In einem der Experimente wurde selbst die Tauglichkeit von Magie für Geheimdienstaktivitäten getestet. Sie haben richtig gelesen, Magie.

Folter und sein Nutzen

Wir wissen alle, dass Folter fast nie den propagierten Nutzen erfüllt. Vor allem dann nicht, wenn der Gefangene unschuldig ist. Stattdessen tut dieser alles, um der Folter zu entgehen, lügen zum Beispiel. Diese Erkenntnisse haben wir nicht etwa erst seit dem jüngst veröffentlichten Folterbericht. Das sagte auch Albert Biderman, ehemaliger Mitarbeiter der U.S. Air Force. Er hat die Foltermethoden der Chinesen untersucht. Sein im Jahr 1957 veröffentlichter Bericht trug den Namen „Communist Attempts to Elicit False Confessions from Air Force Prisoners of War“ (Versuche der Kommunisten den Air Force Kriegsgefangenen unwahre Geständnisse zu entlocken). Wer Biderman nicht glaubt, dem sei angeraten einfach mal eine Führung im Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen mitzumachen und sich über ähnliche Foltermethoden zu erkundigen. Oder einfach das Buch 1984 von George Orwell lesen.
Die Geständnisse wurden von den Chinesen übrigens für Propagandazwecke genutzt. Die Tatsache, dass der selbsterklärte Feind nach der Folter Zugeständnisse jeglicher Art tätigte, musste einfach unbezahlbar gewesen sein. Diese Freiheit nimmt sich jetzt auch die CIA. Khalid Sheikh Mohammed wurde 183 mal mittels Waterboarding gefoltert. Laut CIA hat er danach zugestanden, der Architekt der Anschläge vom 11. September 2001 gewesen zu sein. Beweise gibt es nicht und das sonst übliche öffentliche Gerichtsverfahren fehlt. Man munkelt, er habe auch das Attentat an John F. Kennedy und Martin Luther King zugestanden. Was ist Wahrheit und was Fiktion? Sie entscheiden.

Bush-Administration legitimierte Folter

Entgegen der Aussagen im Folterbericht gibt Dick Cheney offen zu, dass Bush & Co. sehr wohl über die Foltermethoden Bescheid wussten.

Reporter: Was ist Ihr Gesamteindruck zum [Folter]Bericht?
Cheney: Ich denke, er ist ein schlechter Bericht und durch und durch fehlerhaft.
[…] Reporter: Laut dem Bericht wurde George Bush über die Foltermethoden nicht vollständig aufgeklärt und vorsätzlich im Dunkeln gelassen.
Cheney: Nein, das stimmt nicht. Lesen Sie sein Buch! Er schreibt umfangreich darüber in seinen Memoiren. Er war vielmehr integraler Bestandteil des Programms gewesen und hatte diesem zustimmen müssen.
[…] Reporter: Kannte er [Bush] die Details des Programms?
Cheney: Er kannte die genauen Verhörtechniken.
[…] Reporter: Die Foltermethoden sind laut Bericht nicht erfolgreich gewesen.
Cheney: Der Bericht ist voller Scheiße.
[…] Reporter: Haben Sie den Bericht gelesen?
Cheney: Nein, nicht vollständig.

Dass das Weiße Haus die genauen Foltermethoden kannte, gab im Übrigen auch Khalid Sheik Mohammeds Folterer Jose Rodriguez an.

Krieg und Big Business

Deutschland nimmt eine wirklich schandvolle Rolle im Krieg gegen den Terror ein. Die CIA badet sprichwörtlich in Geld und kann auf einen vermutlich 40 Millarden US-Dollar schweren Etat zugreifen und Deutschland bekommt nichts. Mehr noch: Deutschland bekommt weniger als nichts. Dem deutschen Steuerzahler kostetete das US-Militär in den vergangenen zehn Jahren mehr als eine halbe Milliarde Euro. Vermutlich aber noch viel mehr. Gesetzlich legitimiert werden die Zahlungen nach Amerika durch den Artikel 120 Grundgesetz. Polen ist hier sehr viel selbstbewusster vorgegangen und hat der CIA für die Geheimgefängnisse eine Rechnung in Höhe von 15 Millionen US-Dollar präsentiert. Aber dieser Betrag ist eigentlich auch lächerlich klein, wenn man in Betracht zieht, dass die zwei Chef-Psychologen des CIA-Folterprogramms 81 Millionen US-Dollar verdient haben.



Was ist also die Moral der ganzen Geschicht? Sie fehlt.


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