Jauch: Lucke darf 03:30 Min. sprechen Das Tal der Hilflosen

2. Februar 2015 // Zero


Da saß er schon wieder, dieser ungebetene Gast. Derjenige, mit dem man nicht so recht reden will. Rechtsradikales, antisemitisches oder verschwörungstheoretisches Gedankengut kann man ihm zum Leid des politischen Establishments nicht vorwerfen. Damit fallen die besten Argumente zum Zerstören des politischen Gegners gänzlich weg. Was tun? Ihn nicht zu Wort kommen lassen.

Euro-Austritt

Bei Jauch ging es ging schon wieder um den Euro-Schreck. Die Positionen der Gäste waren klar verteilt. Bernd Lucke hat sich für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone ausgesprochen. Die anderen Anwesenden wollten ihm nicht widersprechen, waren aber trotzdem gegen einen Euro-Austritt. Begründung? Keine.

Griechenland funktioniert nicht mehr

Als Michalis Pantelouris auf griechische Steuerhinterziehung, Korruption und den Zusammenbruch des Staatswesens angesprochen wurde, hat er all das bestätigt. Er muss es wissen, denn er versucht sich seit 2013 im Olivenbusiness. Es scheitere allerdings noch an den griechischen Behörden.

Tränendrüse

Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl hat statistisch aufgezählt, warum es Griechenland so schlecht ginge. Ihrer Meinung nach müsse man jetzt aber trotzdem weiterhelfen. Wie man bei so einer Sachlage zu so einem Schluss kommen kann, bleibt ein Rätsel. Die geflossenen Griechenlandhilfen haben nämlich bis heute ihre Wirkung verfehlt. Börsenexpertin wird man beim ARD wohl nur durch Unkenntnis und ideologische Schwafelfähigkeiten.
Auf die Tränendrüse wollte auch Katja Kipping drücken. Sie hat die Gelegenheit genutzt, um der deutschen Regierung eins auszuwischen. Dabei hat sie mehrfach auf die fehlenden Behandlungen von Krebspatienten hingewiesen. Natürlich war das auch eine Provokation Richtung Wolfgang Bosbach. Der leidet nämlich tatsächlich an Krebs.

Der Vergessene von der AfD

Zwischenzeitlich wurde auch ein Einspieler gezeigt. Bei den dort vorgestellten drei möglichen Szenarien, kam nur ein „weiter so“ in Frage. Alle waren sich einig, dass Griechenland große Probleme hat, seine Schulden zu bedienen. Pantelouris fand das aber nicht so schlimm, denn immerhin habe ja auch Großbritannien 300 Jahre gebraucht, um einen Kredit zurückzuzahlen. Beim ganzen Hin und Her hat man jedoch einen Mann vergessen, der ein „weiter so“ nicht befürwortete. Vielleicht lag es ja am Stromausfall. Vielleicht wollte sich Lucke aber auch nicht mehr zu Wort melden und einfach nur aus erster Reihe mitverfolgen, wie sich der Euro selbst demontiert.

  • Heiner Undorf

    Leider Gottes entspricht es heute dem sozialökonomischen Mainstream, kritische Bürger in eine rechte oder auch linke Ecke bei paralleler Diffamierung zu stellen. Die sachliche Auseinandersetzung unter einer konstruktiven Betrachtung bleibt hier sehr oft auf der Strecke. Das erinnert mich leider an Zeiten, die eben jene Diskussionsteilnehmer für ihre eigene Argumentation zu nutzen versuchen.
    Aber: Auch der einfache Mensch (von den Grünen schon mal „als Mopp von der Straße“ tituliert), ist in Deutschland wahlmündig. Nur die unvoreingenommene Akzeptanz politisch „Andersdenkender“ hinsichtlich einer konstruktiven Diskussion kann eine Demokratie auszeichnen.
    Politische Meinungen als „Stammtischparolen“ abzukanzeln ist da wenig hilfreich.,
    Wer sitzt denn an den Stammtischen?? Meist doch Menschen unterschiedlicher politischer Gesinnung, die ihre Meinungen, ungeachtet des bildungspolitischen Hintergrundes, kundtun und dabei eben diese Meinungen austauschen. Sind politische Befindlichkeiten nur für Bürger mit einem hochschulrelevanten Hintergrund erlaubt??
    Das hat schon bei der Diffamierung der Linken nicht funktioniert? Das sind doch primär Wähler, die in den letzten Jahren das Gefühl hatten, dass die SPD versucht, die CDU rechts zu überholen (Stichwort: Agenda 2010, Hartz4, etc.). Besten Dank, Gerd Schröder!
    Nun wird jeder Andersdenkende mal wieder in die rechte Ecke verbannt.
    Die Grünen haben doch die besten Erfahrungen damit. Vor etlichen Jahren galten die Grünen nach vergeblichen Versuchen der etablierten Parteien, die Partie als „Sonderlinge“ darzustellen, noch als Partei der Außenseiter. Wenige Jahre danach hatten unsere Volksparteien das Thema Umweltschutz ganz oben auf ihren Fahnen geschrieben.
    Gleiches wird passieren, wenn man sich mit dem Thema Islamisierung, Zuwanderung, Asyl, Sozialsysteme, Europapolitik etc. nicht mit der Unvoreingenommenheit auseinandersetzt, wie es der mündige Bürger (gleich welcher Couleur) erhofft.
    Merke: Jeder Bürger mit aktivem Wahlrecht hat eine Stimme!
    Andersdenkende (ob vermeintlich nach rechts links) zu diffamieren, war noch nie zielführend.


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