Griechenland emanzipiert

Es hat gerumst. Griechenland will nicht mehr sparen. Seit den Wahlen ist das Land im sozialistischen Stimmungsfieber. Der Eurozone und Troika hat man eine Abfuhr verpasst. Die wiederrum sind erstaunt und schockiert ĂŒber diesen harschen Umgang. An solch einen war man nicht gewöhnt gewesen. Normalerweise werden nĂ€mlich die Griechen herumkommandiert. Der Rollentausch ĂŒberrascht viele Menschen. Niemand hat angenommen, dass Griechenland ĂŒberhaupt eine Meinung zur Eurokrise vertreten darf. Niemand hat geahnt, dass Griechenland einfach nein zum Sparpaket sagen kann. Niemand. Wirklich Niemand? Komisch, denn so eine Ă€hnliche Haltung gab es 2012 schon mal. Damals konnte Griechenland auch einen Schuldenschnitt beschließen.

Auf der Pressekonferenz mit dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis und Jeroen Dijsselbloem ist die Bombe geplatzt. Der griechische Finanziminister hat die Zusammenarbeit mit der Troika, also der EuropĂ€ischen Kommission, der EuropĂ€ischen Zentralbank und dem Internationalen WĂ€hrungsfond fĂŒr beendet erklĂ€rt. Einfach so. Aber sehen Sie selbst:



Im englischsprachigen Raum werden Handlungen wie diese mit dem Spruch „Like a Boss“ tituliert. Das einzige was Varoufakis und Dijsselbloem an dem Tag verband, war ihr langer und komplizierter Nachname. Dijsselbloem muss sich jedenfalls gekrĂ€nkt gefĂŒhlt haben und stand daraufhin einfach auf und trat den RĂŒckzug an. Was blieb ihm auch anderes ĂŒbrig?

In Deutschland wird derweil Unnachgiebigkeit demonstriert. Griechenland mĂŒsse seine Schulden zurĂŒckzahlen. Schnell hat sich auch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Otto Fricke zu Wort gemeldet:



Ich fasse seine Aussage kurz zusammen: Griechenland darf seine Verpflichtungen nicht einfach auflösen. Das Land habe sich mit dem Kredit schließlich zum ZurĂŒckzahlen verpflichet. Moment mal. Wurde Herr Fricke zuvor nicht bereits hinlĂ€nglich vor genau diesem Szenario gewarnt?