Manspreading


„Pay no attention to the lady who gave a seat to her bag and then blocked it with her child’s stroller.“ (@chobats)

Manchmal ist die Welt zu absurd um unwahr zu sein. Manspreading gehört zur neuesten AbsurditĂ€t. Ein Wort, das ich mir in meinen kreativsten Momenten nicht hĂ€tte ausdenken können. Das Wort steht fĂŒr das breitbeinige Sitzverhalten eines Mannes in den öffentlichen Verkehrsmitteln. In New York ist Manspreading verboten worden. Die ersten MĂ€nner wurden deshalb schon festgenommen.

Gegen das Gesetz

AllgemeingĂŒltige Gesetze mĂŒssen immer klar formuliert sein. Nur so können Menschen ihr Verhalten korrekt darauf abstimmen. AllgemeingĂŒltige Gesetze sollten aber auch grundsĂ€tzlich nicht ganze Bevölkerungsteile wegen genetischer Andersartigkeit diskriminieren. So bin ich mir sicher, dass die Ariergesetze der Nationalsozialisten sehr klar formuliert waren. Ich bezweifle jetzt aber einfach mal, dass die Ariergesetze tolerant waren. Ein Gesetz, das Manspreading verbietet, ist diskriminierend, sexistisch und ungenau. Damit bĂŒndelt es sĂ€mtliche Eigenschaften, die in einem allgemeingĂŒltigen Gesetz nichts zu suchen haben. Feministen als Nazis oder Feminazis zu bezeichnen macht genau deshalb keinen Sinn. Nazis waren bei der Gesetzesauslegung nĂ€mlich wenigstens noch genau gewesen.


Diskriminierend, sexistisch und ungenau

Ein Manspreading-Verbot ist diskriminierend, sexistisch und auch noch ungenau. Diskriminierend deswegen, weil nur MĂ€nner ihres Geschlechts wegen diskriminiert werden. Frau versucht das aus dem Geschlecht resultierende Sitzverhalten der MĂ€nner zu sanktionieren. Damit ist das Gesetz sexistisch. DarĂŒber hinaus ist ein Manspreading-Verbot auch noch ungenau, weil niemand wirklich sagen kann, wann der Tatbestand des Manspreadings nach objektiven MaßstĂ€ben erfĂŒllt ist. Vielleicht bei zwei PenislĂ€ngen? Was ist eine PenislĂ€nge? Genau!


Verhaftung wegen Manspreading

Es kam bereits zu ersten Verhaftungen. Den zwei verhafteten MĂ€nnern wurde breitbeiniges Sitzen vorgeworfen. Die richtige KriminalitĂ€t zu bekĂ€mpfen ist schwer. Staatlicherseits wurde deswegen ein sozial streitbares Verhalten kurzerhand kriminalisiert. Der New Yorker Polizei, die vermutlich bestimmte KriminalitĂ€tsbekĂ€mpfungsquoten erzielen muss, spielt dieses Gesetz in die HĂ€nde. Sie kann nĂ€mlich beim Bahnfahren auch gleich Kriminelle einfangen. Das ist zwar gut fĂŒr die Quote, schlecht fĂŒr die Schwachen, die sowieso schon durch die US-amerikanische Justiz benachteiligt werden.


Feministische Heuchelei

Man stelle sich doch mal vor, man verbiete Frauen mit zu großer Oberweite das Stehen in der Bahn, weil sie durch ihre PrĂ€senz den Stehplatz eines anderen Gastes streitig machen. Ich will nicht wissen, was dann hier los wĂ€re. Wir hĂ€tten mit solch einer Debatte vermutlich den Dritten Weltkrieg ausgelöst. Dem Feminismus aber Heuchelei vorzuwerfen ist wie dem Wasser Feuchtigkeit anzulasten.


Ach, bevor ich es vergesse: NatĂŒrlich gibt es diese Menschen, die in der Bahn unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig viel Platz fĂŒr einen Menschen einnehmen und dabei auch noch andere FahrgĂ€ste belĂ€stigen. Erst letztens hat mir nĂ€mlich ein Fahrgast ihre Chanel-Tasche beim Hinsetzen in den Bauch gerammt. Ihre Einkaufstaschen hat sie quasi im gesamten Abteil verstreut. Dieses geschlechtsneutrale Alltagsarschloch muss Mann und Frau einfach aushalten können.