In Deutschland betrug die echte Arbeitslosigkeit im Juni 2026 6,81 Millionen. Die echte Arbeitslosenquote betrug im Juni 2026 damit 13,5 %. (Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Destatis)
Der 10-Jahresschnitt (2015-2025) der echten Arbeitslosigkeit liegt bei 6,28 Millionen bzw. 12,9 Prozent.
Berechnungsmethode für die Arbeitslosigkeit
Da Unterbeschäftigte funktionell arbeitslos sind und die sogenannte Stille Reserve nicht in der offiziellen Arbeitslosenstatistik ausgewiesen wird, wird die Unterbeschäftigung mit der Stillen Reserve (Kategorien A, B und C) addiert, um sich der echten Arbeitslosigkeit anzunähern. Die Stille Reserve wird jährlich vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht.
Hintergrund:
„In der Unterbeschäftigungsrechnung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne des SGB gelten, weil sie an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik teilnehmen oder einen arbeitsmarktbedingten Sonderstatus besitzen.“ (Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Glossar)
„Das Arbeitskräfteangebot (Erwerbspersonenpotenzial) setzt sich zusammen aus den Erwerbstätigen, den Arbeitslosen bzw. den Erwerbslosen und der sogenannten Stillen Reserve.
Ein Teil [der Stillen Reserve] wird in amtlichen Statistiken nicht erfasst. Die Gesamtzahl der Stillen Reserve muss daher geschätzt werden.“ (Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Glossar)
„Die Stille Reserve lässt sich unterteilen in die Kategorien A, B und C. Zur ersten Gruppe gehören Personen, die zwar Arbeit suchen, jedoch zum Beispiel aufgrund von Betreuungspflichten kurzfristig (innerhalb von zwei Wochen) keine Arbeit aufnehmen können (Stille Reserve A).
Personen der zweiten Gruppe würden gerne arbeiten und wären auch verfügbar, suchen aber aktuell keine Arbeit, weil sie zum Beispiel glauben, keine passende Tätigkeit finden zu können (Stille Reserve B).
Die dritte Gruppe ist die arbeitsmarktfernste. Sie umfasst Nichterwerbspersonen, die zwar weder eine Arbeit suchen noch kurzfristig verfügbar sind, aber dennoch einen generellen Arbeitswunsch äußern (Stille Reserve C).“ (Quelle: Destatis)
Armut
9,65 Millionen Menschen in Deutschland verdienen weniger als 15.000 Euro im Jahr. Das sind 21,9 Prozent aller Beschäftigten. (Stand: 2022)
Das kaufkraftbereinigte Privatsektor-Einkommen („Primary income of personal sector“) in Deutschland lag 2012 bei 32.697 und 2022 bei 34.053. Die Steigerung ist minimal. Zum Vergleich: In den USA ist der Wert im selben Zeitraum von 38.561 auf 59.425 gestiegen. (Quelle: World Inequality Database)
Bei einem strukturell schwachen Arbeitsmarkt und damit unsicheren und / oder niedrigen Einkünften fehlt die finanzielle Grundlage für die Familiengründung. 1970 haben etwa 70 Prozent der ab 20-Jährigen (gemischtgeschlechtlich) geheiratet (was in fast allen Fällen mit eigener Haushaltsgründung einherging). Die Geburtenrate lag 1970 bei 2,02 Kindern je Frau. 2024 waren es nur noch 47,5 Prozent, die in (gemischtgeschlechtlichen) Ehen / Lebensgemeinschaften lebten. Die Geburtenrate lag im Jahr 2024 nur noch bei 1,35 Kindern je Frau.
Arbeitsmarkt
Während immer mehr Menschen in Deutschland nach neuen Jobs Ausschau halten, scheint das Interesse an Stellenausschreibungen seitens der Unternehmen immer geringer zu werden.
Hierzu wurden nachfolgend einige Suchwörter über Google-Trends analysiert. 0 steht hierbei für das Minimum und 100 für das Maximum. Zahlen stammen vom vergangenen Monat. Die aufgelisteten Schlagwörter können trotz ihrer ambivalenten Deutungskraft als weiche Indikatoren dienen, um aus dem Suchverhalten der Arbeitnehmer und Unternehmer Rückschlüsse auf die Arbeitsmarktsituation ziehen und diese vorsichtig einschätzen zu können.
Jobs: hohe Nachfrage
- LinkedIn: 100 (Höchststand)
- Jobs: 97 (sehr hoch)
- Beendigung des Arbeitsverhältnisses: 89 (sehr hoch)
- Jobcenter: 88 (sehr hoch)
- gekündigt: 81 (hoch)
Stellen: niedriges Angebot
- Leiharbeit: 12 (sehr niedrig)
- Zeitarbeit: 15 (niedrig)
- Freie Mitarbeiter: 15 (niedrig)
- Stellenangebot: 23 (niedrig)
- Werkvertrag: 31 (unteres Mittel)
- Befristeter Arbeitsvertrag: 35 (unteres Mittel)
- unbefristeter Arbeitsvertrag: 37 (unteres Mittel)
- Arbeitnehmerüberlassung: 52 (Mittel)
Nachweis-Prinzip: Warum die Bundesagentur für Arbeit niedrigere Arbeitslosenzahlen veröffentlicht
Arbeitslosigkeit wird gemeinhin so definiert: Arbeitslos ist, wer einer Beschäftigung nachgehen könnte, um seinen Lebensunterhalt mit Einkünften zu finanzieren, es aber nicht tut.
Es handelt sich um keine wertende, sondern um eine den Status feststellende Definition. Ob jemand nicht arbeiten kann oder will, ob Eigenverschulden oder Fremdverschulden oder freiwillige Lebensentscheidung, spielt in dem Zusammenhang also keine Rolle. Ebenso wenig spielt die Einkunftsart eine Rolle. Es sollte daher bei der Erfassung lediglich darum gehen, sich dem realen Potenzial des Arbeitsmarktes anzunähern.
Genau dieser allgemeinen Definition folgt weder die Internationale Arbeitsorganisation ILO noch die Bundesrepublik Deutschland oder die Bundesagentur für Arbeit. In einer kleinen Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zur tatsächlichen Arbeitslosigkeit gab es von der Regierung diese entscheidende Antwort:
„Zu den genannten Begriffen gibt es unterschiedliche nationale und internationale Definitionen, die je nach Kontext von der Bundesregierung verwendet werden.“ – Bundesregierung, BT-Drucksache 20/6671, 22.03.2023
Wenn die Regierung entscheiden darf, welche Arbeitslosigkeitszahl je nach Kontext verwendet werden kann, dann wählt diese Regierung selbstverständlich immer die besser aussehende Zahl. Wie sollte es auch anders sein?
Dass es sich hierbei nicht um ein AfD-Thema oder reines Deutschland-Phänomen handelt, zeigen die nachfolgenden Berichte:
„Werden Arbeitsmarktzahlen verheimlicht?
Oft wird der Vorwurf geäußert, dass die offiziellen Arbeitsmarktzahlen geschönt seien und die tatsächliche Zahl an Arbeitslosen verschwiegen werde. Fakt ist: Die Arbeitslosenquote erfasst längst nicht alle Menschen ohne Beschäftigung. Durch Gesetzesänderungen hat sich die Zählung häufig geändert – meist so, dass die offiziellen Arbeitslosenzahlen sanken.“ – MDR THÜRINGEN
- Here’s why the real unemployment rate may be higher than reported (CNBC)
- Nearly 25% of Americans are now ‘functionally unemployed’ (Yahoo Finance)
- True Unemployment Rate Hits 25 Percent, Report Finds (Vision Monday)
Die Bundesagentur für Arbeit berechnet Arbeitslosigkeit nicht nach dem Status-Prinzip, sondern nach dem Nachweis-Prinzip. Demnach wird die Arbeitslosigkeit erst dann anerkannt, wenn diese nachgewiesen werden kann. Sie berechnet und verlautbart zu keinem Zeitpunkt die echte Arbeitslosenquote. Stattdessen werden die Personen gezählt, die gemäß der aktuellen Gesetze ihre Arbeitslosigkeit nachweisen können. Es handelt sich hierbei also um eine rein verwaltungstechnische Definition. Diejenigen, die es nicht können oder wollen, fallen komplett raus. Beim Nachweis-Prinzip findet daher zwangsläufig immer eine Untererfassung der tatsächlichen Arbeitslosigkeit statt. Dadurch erscheinen Millionen an Arbeitslosen (auch bekannt als „Stille Reserve“) gar nicht erst in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Medial geht man immer mit der niedrigen Arbeitslosenzahl hausieren. Das alles hat den für die Politik positiven Nebeneffekt, dass die verlautbarte Arbeitslosenquote und damit auch die eigene Politik besser aussieht, als sie tatsächlich ist.
Zusätzlich werden relativ kurze Abstände für Vergleiche verwendet. Man liest hier häufig Sätze wie „…im Vergleich zum Vormonat / Vorjahr…“. Auch hinter dieser Taktik steckt politisches Kalkül. Kurze Vergleichsperioden können dazu genutzt werden, um sich als Politiker selbst in schlechten wirtschaftlichen Perioden, die fast immer auf eigenes politisches Versagen zurückzuführen sind, für die paar kurz andauernden statistisch erwartbaren Erfolge medial feiern zu lassen.
An den Arbeitslosenzahlen lässt sich sehr schnell ableiten, ob die politischen Maßnahmen fruchten, oder nicht. Die Politik hat also ein gewaltiges Interesse daran, diese Zahlen besser aussehen zu lassen, als sie tatsächlich sind.
Status-Prinzip: Bessere Erfassung der Arbeitslosen
Um dieser idealen Definition der tatsächlichen Arbeitslosigkeit näherzukommen, muss auch mit dem Status-Prinzip gearbeitet werden. Statt etwa nur eine Nachweispflicht gegenüber dem Arbeitslosen zu fordern, wie es die Bundesagentur für Arbeit oder ILO tut, sollte der Beschäftigungsstatus ohne aktives Zutun der Person objektiv erfassbar sein. Nur so kann man sich dem gesamten Arbeitskräftepotenzial möglichst korrekt und manipulationsfrei annähern. Statt nur der Frage nachzugehen, ob sich jemand aktiv arbeitslos meldet, könnten zum Beispiel Personeinkünfte pro Haushalt gezählt.
Konkret könnte dies in etwa so aussehen: Es wird die Haushaltsgröße (Personenanzahl pro Haushalt) und das gesamte Haushaltsnettoeinkommen abzüglich der Transferleistungen erfasst. Idealerweise gibt es eine Unterscheidung zwischen privatem und öffentlichem Sektor. So werden „unliebsame“ Personengruppen nicht ausgeblendet und der wirtschaftliche Erfolg pro Kopf kann relativ schnell festgestellt werden.
Es sollte also weniger darum gehen, Arbeitslosigkeit zu messen, als vielmehr darum, den Beschäftigungserfolg zu erfassen (aus der Arbeitslosigkeit abgeleitet werden kann). So kann schnell festgestellt werden, ob der private Wirtschaftssektor ohne großes Zutun des Staates floriert oder ob er es nicht tut.
Es ginge also letzten Endes gar nicht darum, ob jemand eine „Arbeit“ im strengeren Sinne hat oder nicht, sondern darum, ob jemand Einkünfte erzielt und wenn ja in welcher Größenordnung und in welcher Relation zu der Personenanzahl des jeweiligen Haushalts.
Eine derartige nach dem Status-Prinzip ausgerichtete Statistik zur Messung des Beschäftigungserfolgs / der Arbeitslosigkeit gibt es zwar in Teilen, sie wurde jedoch nur unzureichend umgesetzt. Es ist aktuell nicht möglich, den Beschäftigungserfolg ganz genau im Detail zu messen. Zudem arbeitet man beim Zensus mit Umfragen und Hochrechnungen. Der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen ist nicht immer einwandfrei feststellbar. Man kann hier regelmäßig davon ausgehen, dass die realen Zahlen schlechter aussehen.
Auswirkungen Arbeitslosigkeitsberechnung nach dem Status-Prinzip
Es ist klar, dass das Status-Prinzip enorm hohen Druck Richtung Politik ausüben würde. Politiker könnten sich nicht mehr hinter geschönten Statistiken verstecken, bei denen unliebsame Personengruppen einfach ausgeblendet werden.
Der Grund, warum es nicht gemacht wird, ist nicht die Unmöglichkeit, sondern die Unerwünschtheit der Ergebnisse. Eine solche Statistik würde den politischen Diskurs von „gefühlter“ Ungleichheit auf „bewiesene“ Fakten verschieben. Das würde den Handlungsspielraum der Politik massiv einschränken und den Druck für tiefgreifende Reformen erhöhen.