Mit Linux gegen den Bundestrojaner Open Source Software als Schutzwall gegen Schadsoftware

26. Februar 2016 // Zero



10 Jahre ist es fast schon her, als ich das erste Mal von Windows auf Linux umgestiegen bin. Ich weiß nicht mehr, wie ich überhaupt auf Linux gekommen bin. Womöglich hat mich die Erleuchtung, dass es da noch etwas anderes als den Monopolisten Windows gibt, so sehr schockiert und gereizt, dass ich Linux einfach ausprobieren musste. Der Umstieg war so aufregend wie er schwer war. Mein erstes Linux hörte auf den Namen Ubuntu 06.06 (Dapper Drake). Der Name passte irgendwie, ich fühlte mich nämlich tatsächlich ein bisschen deppert. „Warum zum Teufel mach‘ ich das?“, fragte ich mich bei jedem neuen aufkommenden Linux-Problem selbst. „Installier‘ doch jetzt einfach wieder Windows und alles wird wieder gut.“ Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Windows war für mich mit dem ersten Kontakt zu Linux gestorben. Einmal Linux immer Linux. Jede Schreckensnachricht über Windows-Viren und Trojaner trieb mich immer weiter weg vom Monopolisten und umso näher zu diesem aufregenden für mich neuen Betriebssystem. Jenes System war und ist von derartiger Schadsoftware geschützt und das ganz ohne Firewall oder Virenschutz. Die Bedienung ist mittlerweile einfacher als je zuvor. Die Linux-Community hat ganze Arbeit geleistet und dieses Betriebssystem zu dem gemacht, was es heute ist: Eine ernstzunehmende Alternative.

Der Bundestrojaner




10 Jahre ist es ebenfalls her, als die ersten Diskussionen über staatliche Trojaner auftauchten. Solche Diskussionen fanden aber eher im Netz als in der Realität statt. Man nahm sie nicht ernst. Die meisten Menschen haben das Problem nicht einmal verstanden. Es kamen Sätze wie: „Ja und, dann wird halt ein PC überwacht, was soll daran so schlimm sein? Ich hab nix zu verbergen, du etwa?“ Nichts zu verbergen? Ok, dann möchte ich einen Livestream zu deiner Wohnung haben. Ich möchte jederzeit sehen und hören können, was du gerade wie mit wem machst. Riechen muss ich das Ganze nicht unbedingt. Also, hast du immer noch nichts zu verbergen? Ich las übrigens gerade, dass das Zitat „Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten“ von Joseph Goebbels stammen soll. Wundern tut es mich nicht.

Open Source

Liberty – Security



Apple hat dem FBI in Sachen Abhörung eine Absage erteilt. Man möchte dem Staat kein Hintertürchen zur Spionage öffnen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser Widerstand zebröseln wird. Wenn die Kavallerie anrückt, wird auch Apple sich der US-Streitmacht unterwerfen müssen.
Solche Diskussionen sind in der Linuxwelt vollkommen absurd. Der Quellcode ist öffentlich und für jedermann frei einsehbar. Allein diese Tatsache macht es unmöglich, Schadsoftware zu implementieren. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass die Regierung es doch schaffen sollte, wird die Community diesen Teil der Software einfach entfernen. Bei den anderen Softwarekonzernen, die mit proprietärer (also nicht veröffentlichter) Software arbeiten, kann man sich hingegen nie sicher sein, ob nicht im Hintergrund Abmachungen mit dem Staat getroffen wurden, die das Einsehen von Daten ermöglichen. Man höre sich nur einmal an, wie kleinlaut Bill Gates (der reichste Mann der Welt?) sich bei der ganzen Debatte gibt:


Läuft und läuft und läuft…




Ein einmal aufgesetztes Linuxssystem läuft und läuft und läuft. Nichts wird langsamer, außer der Hardware. Unter Linux stirbt die häufig als erstes, während das Betriebssystem scheinbar bis in alle Ewigkeit weiterläuft. Linux hat nicht zuletzt deshalb den Markt erobert. Man denke nur an Android, ein auf Linux basiertes Betriebssystem. Laut Gartner hat es Apple und Windows bereits überholt. Fairerweise muss man erwähnen, dass Google ein bisschen Hilfestellung geleistet hat. Das hat geholfen. Aber nicht nur der Suchmaschinengigant setzt auf Linux. Hollywood, die Stadt München und Supercomputer bevorzugen das offene Betriebssystem. Linux ist aber nicht nur für Profis. Nicht mehr, sollte ich hinzufügen. Die Installation ist um ein Vielfaches vereinfacht worden. Mit ein paar Klicks hat man in wenigen Minuten ein frisch installiertes Linux. Der Normalanwender findet seine Lieblingssoftware hier auch wieder vor. Browser, Email und Officepaket sind meistens schon vorinstalliert. Drucker werden oftmals automatisch erkannt. Im Appstore wird einem eine manigfaltige Auswahl an weiteren Softwarelösungen geboten. Das Grafik- und Videoschnittprogramm kann also mit ein paar Klicks nachträglich installiert werden.

Aber…

How I look describing the Linux community to non Linux users



Meine Begeisterung für Linux darf natürlich nicht über die Eigenheiten dieses Systems hinwegtäuschen. Man mag es nicht glauben, aber es gibt auch den ein oder anderen Holperstein bei Linux. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Anteil der Linux-Desktops immer noch verschwindend klein ist. Es kann zum Beispiel sein, dass die viel zu neue Hardware vom System nicht erkannt wird, weil der Hersteller nicht primär für den Linux-Desktop entwickelt. Im Gaming-Bereich hat sich unter Linux zwar einiges getan, die meisten Spiele werden aber nach wie vor für Windows entwickelt. Bei spezieller Software kann es unter Umständen auch problematisch werden. Zwar ist zum Beispiel Bildbearbeitung und Videoschnitt in Linux möglich, der Endanwender wird aber vermutlich ein Stück Software wie Adobe Premiere und Photoshop, welche nicht für Linux erhältlich sind, vermissen. Allerdings, so mein Eindruck, läuft die Entwicklung Richtung Cloud und systemübergreifende Programme. So stellt Adobe seine Programme in der Creative Cloud in einem Webformat zur Verfügung. Damit wären diese Anwendungen letztlich auch unter Linux nutzbar. Sollten Sie mit einem Umstieg auf Linux liebäugeln, überprüfen Sie vorab sehr genau, welche Programme Sie benötigen und welche davon auch auf Linux erhältlich sind.

Der Umstieg




Linux ist nicht Windows und auch nicht Mac. All diese Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Der größte Risikofaktor sitzt außerdem immer vor dem PC. Ich sehe Linux allerdings in Sachen Sicherheit dennoch klar im Vorteil. Abhörkanäle, die vor allem auch im Rahmen der Überwachungsprogramme für die Regierungen eingebaut wurden und werden, sind bei Linux schlicht und ergreifend nicht möglich. Linux-Communities funktionieren nämlich dezentral. Gerade wenn es um Wirtschaftsspionage geht, einer der Gründe warum staatliche Spähsoftware eingesetzt wird, ist dieser Punkt ein absolutes KO-Kriterium. Ein Programm lässt sich außerdem nicht einfach so ohne ausdrückliche Zustimmung des Users installieren. Ach ja, noch was: „Das Linux“ gibt es im Übrigen nicht. Linux besteht unter anderem aus einem Kernel, dem Motor des Betriebssystems, einer graphischen Oberfläche, der Karosserie, sowie den Programmen. Wie diese Komponenten aufeinander abgestimmt werden, hängt immer von der jeweiligen Linux-Distribution ab. Die wohl einsteigerfreundlichste Distribution nennt sich Ubuntu. Auf ubuntuusers.de gibt es neben der großen Community auch eine ausführliche Dokumentation zum System. Alleingelassen sollte man sich hier also nicht fühlen. Bevor man das System komplett wechselt, sollte man sich einlesen und Linux eventuell noch vorher auf einer virtuellen Maschine ausprobieren. Oder man schafft sich am besten gleich einen neuen PC mit vorinstalliertem Ubuntu an. Dieser wird zum Beispiel bei Dell angeboten.


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