Mit Linux gegen den Bundestrojaner



10 Jahre ist es fast schon her, als ich das erste Mal von Windows auf Linux umgestiegen bin. Ich weiß nicht mehr, wie ich ĂŒberhaupt auf Linux gekommen bin. Womöglich hat mich die Erleuchtung, dass es da noch etwas anderes als den Monopolisten Windows gibt, so sehr schockiert und gereizt, dass ich Linux einfach ausprobieren musste. Der Umstieg war so aufregend wie er schwer war. Mein erstes Linux hörte auf den Namen Ubuntu 06.06 (Dapper Drake). Der Name passte irgendwie, ich fĂŒhlte mich nĂ€mlich tatsĂ€chlich ein bisschen deppert. „Warum zum Teufel mach‘ ich das?“, fragte ich mich bei jedem neuen aufkommenden Linux-Problem selbst. „Installier‘ doch jetzt einfach wieder Windows und alles wird wieder gut.“ Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Windows war fĂŒr mich mit dem ersten Kontakt zu Linux gestorben. Einmal Linux immer Linux. Jede Schreckensnachricht ĂŒber Windows-Viren und Trojaner trieb mich immer weiter weg vom Monopolisten und umso nĂ€her zu diesem aufregenden fĂŒr mich neuen Betriebssystem. Jenes System war und ist von derartiger Schadsoftware geschĂŒtzt und das ganz ohne Firewall oder Virenschutz. Die Bedienung ist mittlerweile einfacher als je zuvor. Die Linux-Community hat ganze Arbeit geleistet und dieses Betriebssystem zu dem gemacht, was es heute ist: Eine ernstzunehmende Alternative.

Der Bundestrojaner




10 Jahre ist es ebenfalls her, als die ersten Diskussionen ĂŒber staatliche Trojaner auftauchten. Solche Diskussionen fanden aber eher im Netz als in der RealitĂ€t statt. Man nahm sie nicht ernst. Die meisten Menschen haben das Problem nicht einmal verstanden. Es kamen SĂ€tze wie: „Ja und, dann wird halt ein PC ĂŒberwacht, was soll daran so schlimm sein? Ich hab nix zu verbergen, du etwa?“ Nichts zu verbergen? Ok, dann möchte ich einen Livestream zu deiner Wohnung haben. Ich möchte jederzeit sehen und hören können, was du gerade wie mit wem machst. Riechen muss ich das Ganze nicht unbedingt. Also, hast du immer noch nichts zu verbergen? Ich las ĂŒbrigens gerade, dass das Zitat „Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befĂŒrchten“ von Joseph Goebbels stammen soll. Wundern tut es mich nicht.

Open Source

Liberty – Security



Apple hat dem FBI in Sachen Abhörung eine Absage erteilt. Man möchte dem Staat kein HintertĂŒrchen zur Spionage öffnen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieser Widerstand zebröseln wird. Wenn die Kavallerie anrĂŒckt, wird auch Apple sich der US-Streitmacht unterwerfen mĂŒssen.
Solche Diskussionen sind in der Linuxwelt vollkommen absurd. Der Quellcode ist öffentlich und fĂŒr jedermann frei einsehbar. Allein diese Tatsache macht es unmöglich, Schadsoftware zu implementieren. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass die Regierung es doch schaffen sollte, wird die Community diesen Teil der Software einfach entfernen. Bei den anderen Softwarekonzernen, die mit proprietĂ€rer (also nicht veröffentlichter) Software arbeiten, kann man sich hingegen nie sicher sein, ob nicht im Hintergrund Abmachungen mit dem Staat getroffen wurden, die das Einsehen von Daten ermöglichen. Man höre sich nur einmal an, wie kleinlaut Bill Gates (der reichste Mann der Welt?) sich bei der ganzen Debatte gibt:


LÀuft und lÀuft und lÀuft





Ein einmal aufgesetztes Linuxssystem lĂ€uft und lĂ€uft und lĂ€uft. Nichts wird langsamer, außer der Hardware. Unter Linux stirbt die hĂ€ufig als erstes, wĂ€hrend das Betriebssystem scheinbar bis in alle Ewigkeit weiterlĂ€uft. Linux hat nicht zuletzt deshalb den Markt erobert. Man denke nur an Android, ein auf Linux basiertes Betriebssystem. Laut Gartner hat es Apple und Windows bereits ĂŒberholt. Fairerweise muss man erwĂ€hnen, dass Google ein bisschen Hilfestellung geleistet hat. Das hat geholfen. Aber nicht nur der Suchmaschinengigant setzt auf Linux. Hollywood, die Stadt MĂŒnchen und Supercomputer bevorzugen das offene Betriebssystem. Linux ist aber nicht nur fĂŒr Profis. Nicht mehr, sollte ich hinzufĂŒgen. Die Installation ist um ein Vielfaches vereinfacht worden. Mit ein paar Klicks hat man in wenigen Minuten ein frisch installiertes Linux. Der Normalanwender findet seine Lieblingssoftware hier auch wieder vor. Browser, Email und Officepaket sind meistens schon vorinstalliert. Drucker werden oftmals automatisch erkannt. Im Appstore wird einem eine manigfaltige Auswahl an weiteren Softwarelösungen geboten. Das Grafik- und Videoschnittprogramm kann also mit ein paar Klicks nachtrĂ€glich installiert werden.

Aber


How I look describing the Linux community to non Linux users



Meine Begeisterung fĂŒr Linux darf natĂŒrlich nicht ĂŒber die Eigenheiten dieses Systems hinwegtĂ€uschen. Man mag es nicht glauben, aber es gibt auch den ein oder anderen Holperstein bei Linux. Das hat vor allem damit zu tun, dass der Anteil der Linux-Desktops immer noch verschwindend klein ist. Es kann zum Beispiel sein, dass die viel zu neue Hardware vom System nicht erkannt wird, weil der Hersteller nicht primĂ€r fĂŒr den Linux-Desktop entwickelt. Im Gaming-Bereich hat sich unter Linux zwar einiges getan, die meisten Spiele werden aber nach wie vor fĂŒr Windows entwickelt. Bei spezieller Software kann es unter UmstĂ€nden auch problematisch werden. Zwar ist zum Beispiel Bildbearbeitung und Videoschnitt in Linux möglich, der Endanwender wird aber vermutlich ein StĂŒck Software wie Adobe Premiere und Photoshop, welche nicht fĂŒr Linux erhĂ€ltlich sind, vermissen. Allerdings, so mein Eindruck, lĂ€uft die Entwicklung Richtung Cloud und systemĂŒbergreifende Programme. So stellt Adobe seine Programme in der Creative Cloud in einem Webformat zur VerfĂŒgung. Damit wĂ€ren diese Anwendungen letztlich auch unter Linux nutzbar. Sollten Sie mit einem Umstieg auf Linux liebĂ€ugeln, ĂŒberprĂŒfen Sie vorab sehr genau, welche Programme Sie benötigen und welche davon auch auf Linux erhĂ€ltlich sind.

Der Umstieg




Linux ist nicht Windows und auch nicht Mac. All diese Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Absolute Sicherheit gibt es nicht. Der grĂ¶ĂŸte Risikofaktor sitzt außerdem immer vor dem PC. Ich sehe Linux allerdings in Sachen Sicherheit dennoch klar im Vorteil. AbhörkanĂ€le, die vor allem auch im Rahmen der Überwachungsprogramme fĂŒr die Regierungen eingebaut wurden und werden, sind bei Linux schlicht und ergreifend nicht möglich. Linux-Communities funktionieren nĂ€mlich dezentral. Gerade wenn es um Wirtschaftsspionage geht, einer der GrĂŒnde warum staatliche SpĂ€hsoftware eingesetzt wird, ist dieser Punkt ein absolutes KO-Kriterium. Ein Programm lĂ€sst sich außerdem nicht einfach so ohne ausdrĂŒckliche Zustimmung des Users installieren. Ach ja, noch was: „Das Linux“ gibt es im Übrigen nicht. Linux besteht unter anderem aus einem Kernel, dem Motor des Betriebssystems, einer graphischen OberflĂ€che, der Karosserie, sowie den Programmen. Wie diese Komponenten aufeinander abgestimmt werden, hĂ€ngt immer von der jeweiligen Linux-Distribution ab. Die wohl einsteigerfreundlichste Distribution nennt sich Ubuntu. Auf ubuntuusers.de gibt es neben der großen Community auch eine ausfĂŒhrliche Dokumentation zum System. Alleingelassen sollte man sich hier also nicht fĂŒhlen. Bevor man das System komplett wechselt, sollte man sich einlesen und Linux eventuell noch vorher auf einer virtuellen Maschine ausprobieren. Oder man schafft sich am besten gleich einen neuen PC mit vorinstalliertem Ubuntu an. Dieser wird zum Beispiel bei Dell angeboten.