„Die Quote kommt!“ hieĂ es in einer Rede von Familienministerin Manuela Schwesig anlĂ€sslich des Internationalen Frauentags. Diese Rede soll nachfolgend genauer analysiert werden, um die falschen Annahmen des Feminismus offen zu legen.
„In den FĂŒhrungsetagen der groĂen Unternehmen herrscht eine ausgeprĂ€gte MĂ€nnlichkeitskultur. Wir haben das vor ein paar Jahren vom SINUS-Institut durch Interviews erforschen lassen. Zu dieser Kultur gehören anzĂŒgliche Bemerkungen und Witze, die man sich nicht traut, wenn Frauen dabei sind.“
Und Frauen machen keine anzĂŒglichen Bemerkungen und Witze? Wenn ich einen Blick auf die Frauenmagazine werfe, dann gehen Frauen mit sich selbst doch sehr viel hĂ€rter ins Gericht.
- Oscars: Flops auf dem roten Teppich – Herrlich hĂ€ssliche Kleider (von Tanja Rest)
- Kim Kardashian: âIhr Po ist zu fett!â
- Lindsay Lohan – Zweimal hĂ€sslich (von Rachel Brozowski)
Das waren nur einige der öffentlich einsehbaren Kommentare. Hinter den Kulissen können Frauen auch ein paar GÀnge mehr zulegen. Und ja, MÀnner auch. Diese menschlichen Verfehlungen aber allein den MÀnnern anzulasten und als chauvinistisch auszulegen, ist nicht nur absurd, sondern sexistisch.
„Frauen traut man diese HĂ€rte durchaus zu. Aber das empfinden die MĂ€nner als unpassend: Es fallen Begriffe wie „spröde“, „verkniffen“, „MĂ€nnerimitat“.“
Die Zitate hat Schwesig vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Es ging den MĂ€nnern um AuthentizitĂ€t. Die betrifft beide Geschlechter. Frauen, die MĂ€nnern nachahmen (darum ging es in der Aussage), wirken nicht authentisch. Diese Annahme ĂŒber AuthentizitĂ€t gilt grundsĂ€tzlich bei jedem Menschen. AuĂerdem haben die MĂ€nner aus der Studie emotionale Ăberreaktionen der Frauen kritisiert. NatĂŒrlich gibt es nicht die Frauen oder die MĂ€nner. Vielmehr gibt es gewisse charakterliche Tendenzen, die bei den einen mehr bestĂ€tigt werden können als bei den anderen. Frauen sind nun mal (allgemein gesprochen) emotionale Wesen. Diese Tatsache wurde auch wissenschaftlich bestĂ€tigt. Familienministerin Schwesig stellt diese Erkenntnisse in Frage und behauptet, Frau und Mann seien gleich. Das sind sie nicht. Sie haben die gleichen Rechte, aber eben auch die gleichen Pflichten. Der Wirtschaft ist es herzlich egal, was da zwischen den Beinen herumbaumelt. Wichtig ist nur die geleistete Arbeit.
Schwesig bestĂ€tigt im Ăbrigen genau das, was die MĂ€nner in der Studie kritisiert haben. Schwesigs gesamtes Weltbild entspricht nĂ€mlich nicht den Tatsachen. Sie versucht Ungleichheiten einfach wegzudiskutieren. Das ist nicht authentisch.
„Sie kann auch deshalb nicht gewinnen, weil sie es mit Familie nur falsch machen kann. Hat sie keine Kinder, fehlt ihr in den Augen der MĂ€nner die richtige Weiblichkeit. Hat sie Kinder, trauen ihr die MĂ€nner nicht zu, mit voller Kraft fĂŒr das Unternehmen da zu sein.“
Hier wird einfach nur totaler Blödsinn behauptet. Weiblichkeit lĂ€sst sich doch nicht an der Anzahl der Kinder messen. Ich kenne keinen Mann, der das je gemacht hat. Oder können Sie sich vorstellen, dass ein Mann sagt: „Boah is die weiblich, die hat so viele Kinder!“ Und warum sollen Unternehmer Angst haben, dass Frauen wegen der Kinder nicht mit voller Kraft da sein können? Unternehmer haben viel mehr Angst davor, dass sie auf den (Folge-)Kosten einer Schwangerschaft sitzen bleiben. Es sind daher wohl eher gesetzliche Regelungen, die die Aufstiegschancen von Frauen erschweren und sie im Zweifel sogar vollstĂ€ndig zerstören.
„Die erste Frau, die in ein solches Gremium kommt, bleibt AuĂenseiterin. Egal, wie gut sie ist.“
Das ist ĂŒberhaupt nicht egal. Nicht das Geschlecht sondern Können und Charakter sind die Hauptkriterien fĂŒr eine erfolgreiche Karriere.
„Aber 30 Prozent sind etwas anderes. 30 Prozent verĂ€ndern zwangslĂ€ufig die Art, wie man miteinander umgeht. Die Frauenquote Ă€ndert Strukturen und ZahlenverhĂ€ltnisse und stöĂt dadurch einen Kulturwandel an.“
Das stimmt auch nicht. Ich habe in einem vorigen Beitrag bereits darauf hingewiesen, dass die Frauenquote in Norwegen keinerlei VerÀnderungen hervorgerufen hat.
„Es war immer so, dass Frauen sich Gleichberechtigung hart erkĂ€mpfen mussten. Es ist ein Kampf um Macht, Geld und Einfluss. Die Quote heiĂt: Mehr Macht fĂŒr die Frauen. Einfluss verschiebt sich.“
Ist Frau Schwesig eigentlich bewusst, dass dieses Land von einer Kanzlerin, also einer Frau, gefĂŒhrt wird? Die Quote bedeutet heutzutage nicht mehr Macht, sondern ökonomische Dummheit. Ohne es zu wissen diskriminiert sie mit der Frauenquote auch noch andere Bevölkerungsgruppen. Sie fordert nĂ€mlich keine Quote fĂŒr Behinderte, Migranten, EinĂ€ugige, Schwarze, Asiaten, Juden, Muslime,…
„Die Voraussetzungen fĂŒr diesen Kulturwandel sind schon da. Ein Befragter aus der SINUS-Studie hat es so formuliert: „Frauen im Management wĂŒrden den deutschen Unternehmen gut tun. Weil VielfĂ€ltigkeit stĂ€rkt. Also braucht man auch Leute, die VielfĂ€ltigkeit zulassen.“ Zitatende.“
Abgesehen davon, dass das nicht stimmt (siehe oben); wo ist die BegrĂŒndung? Ein beliebiges Zitat aus einem Interview kann doch nicht als Grundlage fĂŒr die eigene politische Ausrichtung herhalten. Wir haben es hier mit einer These zu tun, die nie verifiziert wurde.
„Frauen in FĂŒhrungspositionen sind gut fĂŒr die Wirtschaft. Aber manchmal geht es nicht ohne Gesetze.
Eine Frau hat mir auf Facebook folgendes gepostet: „Der Denkfehler der Quoten-Gegner besteht darin, dass sie annehmen, ohne Regelung wĂŒrden sich die Qualifiziertesten durchsetzen. Egal ob Mann oder Frau.“ Sie schreibt weiter: „In der idealen Welt wĂ€re das auch so. Aber nachgewiesenermaĂen ist das nicht der Fall. Solange die Welt nicht ideal ist, hilft die Quote.“
Solange Gleichberechtigung nicht verwirklicht ist, brauchen wir Gesetze, die sie voranbringen.“
Hier haben wir es wieder. Irgendjemand hat auf Facebook behauptet, dass es so ist und jetzt ist es so?
„Norwegen hat 2006 gezeigt, wie es geht: mit einer festen Quote fĂŒr VerwaltungsrĂ€te und harten Sanktionen bei Nichteinhaltung. Die Vorbehalte in der Wirtschaft waren zunĂ€chst groĂ, aber die Umsetzung war erfolgreich. Mittlerweile ist in Norwegen auch in den anderen FĂŒhrungsebenen ein Kulturwandel spĂŒrbar. Norwegen ist der Beweis: Die Quote funktioniert.“
OMG. Das stimmt nicht. Norwegen ist das beste Beispiel dafĂŒr, dass Quotenregelungen nichts bringen. Wer das nicht glaubt, sollte sich diese Dokumentation vom norwegischen Comedian Harald Eia zu GemĂŒte fĂŒhren. Darin kommt sogar Sacha Baron Cohens Cousin zu Wort. Sehr unterhaltsam!
https://www.youtube.com/watch?v=p5LRdW8xw70
„In Artikel 3 Grundgesetz heiĂt es: „Der Staat fördert die tatsĂ€chliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und MĂ€nnern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Dieser Satz ist ein Teil der Wiedervereinigung Deutschlands vor 25 Jahren.“
Es geht dem Grundgesetz doch nicht darum, die Vertragsfreiheit der Unternehmer zu beschrÀnken. Dem Grundgesetz geht es vor allem um die Beseitigung staatlicher Ungerechtigkeiten. Frauen konnten beispielsweise nach einer Hochzeit den eigenen Namen nicht behalten. Das war einmal. Derartige Ungerechtigkeiten gibt es nicht mehr.
„Sehr geehrte Damen und Herren, ich weiĂ, dass viele mehr wollten.“
Nein, ganz bestimmt nicht.
„Wenn wir einen Kulturwandel fĂŒr die Frauen wollen, mĂŒssen wir fĂŒr diese Sandwich-Generation Zeit schaffen. Ich habe deshalb vor einem Jahr eine Familienarbeitszeit vorgeschlagen.“
Das Wort Kulturwandel verwendete Schwesig ganze 18 mal wĂ€hrend Ihrer Rede. Wiederholung macht ihre Theorie aber nicht richtiger. AuĂerdem spricht es ĂŒberhaupt nicht fĂŒr BĂŒrgernĂ€he und Vertrauen, wenn sie soziologische Fremdbegriffe einstreut, um ihre falsche Theorie wissenschaftlich anzustreichen.
„Und viele junge MĂ€nner wollen gleichberechtigt fĂŒr ihre Kinder da sein. Aber nur 14 Prozent leben aktuell dieses Modell.“
Wenn nur 14 Prozent dieses Modell leben, wollen auch nur 14 Prozent dieses Modell haben. Schwesig deutet sÀmtliche Fakten auf Biegen und Brechen anders um. Beweise gibt es wieder nicht.
„Kein Land hat vollstĂ€ndige Gleichberechtigung fĂŒr Frauen und MĂ€dchen erreicht. Das rĂ€umt die Deklaration, die wir in New York verabschieden, offen ein. Aber das ist noch milde ausgedrĂŒckt.“
Was? Wovon spricht sie? Es gibt LĂ€nder, die vollstĂ€ndige Gleichberechtigung fĂŒr Frauen und MĂ€dchen erreicht haben. Eines dieser LĂ€nder nennt sich Deutschland. Frauen dĂŒrfen zur Schule gehen, studieren, arbeiten und sie dĂŒrfen sogar ihre Vergewaltiger anzeigen. Frauen haben sogar in einigen Belangen mehr Rechte als MĂ€nner. Ihnen wird zum Beispiel hĂ€ufiger das Sorgerecht zugesprochen. Ganze Ministerien und Frauenbeauftragte in öffentlichen Einrichtungen kĂŒmmern sich ausschlieĂlich um die Belange von Frauen.
„Ein drittes Beispiel: Eine indische Frauenrechtlerin, Urvashi Butalia, bezeichnet die Frauenquote in der Lokalpolitik ihres Landes als wichtige Entwicklung fĂŒr die Frauenrechte in Indien. Weil Frauen dadurch vor Ort mitbestimmen können. Und dort, wo Frauen mitbestimmen können, besteht eine gröĂere Chance auf kulturellen Wandel.“
Wer erzĂ€hlt dieser Frau jetzt, dass wir nicht in Indien leben, sondern in Deutschland? Jetzt muss auch schon Indien als Beispiel fĂŒr gute Lokalpolitik herhalten. Schwesig klammert sich aber auch wirklich an jeden Strohhalm. Das ist schon ein starkes StĂŒck, dass sie gerade dieses Land zum Vorbild erklĂ€rt. Hat Schwesig schon mal von den MĂ€dchenmorden in Indien gehört?
Bei solch einem politischen Sachverstand muss sich die SPD nicht wundern, wenn die WĂ€hler sie nicht mehr wĂ€hlen. Sie muss sich viel eher die Frage stellen, warum sie ĂŒberhaupt noch zweistellige Wahlergebnisse erreicht.